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Fünf Dinge, die Unternehmen bei der Vorbereitung auf CBAM übersehen

Sam Nunn Director at RESET Carbon Profil ansehen

Die meisten Unternehmen verstehen inzwischen die Grundlagen von CBAM: Emissionen erfassen, berichten und Zertifikate erwerben. In der Praxis ist es jedoch nicht so einfach.

Die eigentliche Herausforderung liegt unterhalb der offensichtlichen Anforderungen: Schwierigkeiten bei der Erhebung von Lieferantendaten, anhaltende Datenlücken und Unklarheiten über interne Verantwortlichkeiten. Dadurch entstehen Kostenrisiken, die oft erst zu spät sichtbar werden.

Basierend auf unseren Erfahrungen mit Importeuren und Produzenten gibt es fünf Dinge, die Unternehmen bei der Vorbereitung auf CBAM immer wieder übersehen.

Vorbereitung auf Compliance – aber nicht auf eine CO₂-Kostenstrategie

Viele Unternehmen konzentrieren sich darauf, die CBAM-Compliance zu erfüllen. Weniger Unternehmen denken darüber nach, wie sie unter diesen neuen Bedingungen wettbewerbsfähig bleiben.

CBAM führt neue, wiederkehrende Kosten ein, die direkt an Emissionen gekoppelt sind. Diese Kosten werden voraussichtlich im Laufe der Zeit steigen. Wer CBAM nur als Compliance-Thema betrachtet, verpasst die größere strategische Chance.

Die Unternehmen, die künftig am besten aufgestellt sein werden, stellen bereits strategischere Fragen:

  • Welche Lieferanten verursachen die höchste CBAM-Belastung?
  • Wo können bessere Daten die Zertifikatskosten unmittelbar senken?
  • Welche Maßnahmen zur Dekarbonisierung sind entlang der Lieferkette am kosteneffektivsten?
  • Wie werden sich CO₂-Kosten langfristig auf Preise, Beschaffung und Margen auswirken?

Mit anderen Worten: Sie entwickeln sich von reiner Compliance hin zu einer strategischen Steuerung.

CBAM bedeutet nicht nur, Emissionen zu berichten. Es geht darum, die finanziellen Auswirkungen von CO₂ entlang der gesamten Lieferkette aktiv zu managen.

Fokus ausschließlich auf interne Prozesse

Ein großer Teil der CBAM-Vorbereitung findet in den Zentralen der Unternehmen statt. Rechts-, Compliance- und Nachhaltigkeitsteams entwickeln die entsprechenden Rahmenwerke. Das ist notwendig – aber allein nicht ausreichend.

Die tatsächliche CBAM-Readiness entscheidet sich letztlich auf Anlagen- bzw. Werksebene.

Produzenten müssen Emissionen auf Standortebene messen, Prozessdaten in produktbezogene Kennzahlen übersetzen und sicherstellen, dass diese Daten einer Verifizierung standhalten. Viele verfügen bislang weder über die notwendigen Monitoringsysteme noch über geeignete Methoden.

Dadurch entsteht eine Diskrepanz: Der Importeur fühlt sich möglicherweise gut vorbereitet, aber wenn Lieferanten keine verifizierten Daten liefern können, bricht das gesamte System zusammen. Das gilt umso mehr für Unternehmen, die regelmäßig neue Lieferanten onboarden. Die tatsächlichen Kosten eines Produkts werden künftig nicht nur durch den Angebotspreis bestimmt, sondern auch durch seine Emissionsintensität und die Qualität der zugrunde liegenden Daten.

In der Praxis wird CBAM-Readiness nicht im Vorstandszimmer entschieden, sondern auf dem Werksgelände.

CBAM-Reporting als passive Aufgabe betrachten

Eine Datenanfrage an Lieferanten zu senden bedeutet noch lange nicht, dass qualitativ hochwertige Daten zurückkommen. Tatsächlich lassen sich Lieferanten im Zusammenhang mit CBAM meist in zwei Gruppen einteilen.

Zur ersten Gruppe gehören Unternehmen, die bislang keinerlei CO₂-Messung oder Emissionsbilanzierung etabliert haben. Wenn diese Lieferanten eine CBAM-Datenanfrage erhalten, können sie die Anforderungen oft gar nicht korrekt erfüllen. Um verlässliche Informationen zu erhalten, ist es entscheidend, dass Importeure ihre Lieferanten durch Schulungen und Kompetenzaufbau unterstützen.

Zur zweiten Gruppe gehören Lieferanten, die zwar Daten haben, CBAM-Compliance jedoch als zu zeitaufwendig ansehen. Für diese Unternehmen ist es ebenso wichtig zu verstehen, welches Geschäftsrisiko entsteht, wenn sie nicht kooperieren. Viele Lieferanten betrachten CBAM noch immer als eine weitere Nachhaltigkeitsinitiative und erkennen nicht, dass ihre Produkte beim Import in die EU erheblich teurer werden können, wenn keine Daten bereitgestellt werden. Importeure müssen diesen wirtschaftlichen Zusammenhang klar kommunizieren.

Letztlich müssen sämtliche CBAM-Daten auf Werksebene verifiziert werden – häufig auf Kosten des Lieferanten. Deshalb sind starke und partnerschaftliche Lieferantenbeziehungen entscheidend. Eine Datenanfrage zu verschicken und anschließend passiv auf Antworten zu warten, wird nicht funktionieren.

Die Kosten schlechter Emissionsdaten unterschätzen

Viele Unternehmen gehen davon aus, dass sie im Fall fehlender Daten einfach mit Schätzwerten oder Standardwerten arbeiten können. Technisch ist das möglich. Wirtschaftlich kann es jedoch problematisch werden.

Standardwerte sind bewusst konservativ angesetzt. Sie überschätzen häufig die tatsächlichen Emissionen erheblich, wodurch Unternehmen mehr CBAM-Zertifikate erwerben müssen als notwendig. Schlechte Daten können die Kosten um 30–50 % erhöhen. Damit wird Datenqualität zu einem direkten Margenthema – und nicht nur zu einer Compliance-Frage.

Präzise und verifizierte Emissionsdaten dienen nicht nur der Einhaltung regulatorischer Anforderungen. Sie gehören zu den wichtigsten Hebeln, um CO₂-Kosten aktiv zu steuern.

Davon ausgehen, dass die Regeln feststehen und sich nicht weiterentwickeln

Es ist verlockend, CBAM als feststehende Regulierung zu betrachten und eine einmalige Compliance-Lösung zu entwickeln. Das ist ein Fehler.

CBAM entwickelt sich weiterhin dynamisch und wird seinen Geltungsbereich voraussichtlich ausweiten. Die EU hat bereits vorgeschlagen, den Anwendungsbereich ab 2028 auf nachgelagerte Produkte aus Stahl und Aluminium auszudehnen. Bis 2035 dürfte eine Erweiterung auf weitere Produktkategorien folgen. Der Aufbau eines belastbaren Dekarbonisierungsprogramms für Lieferanten benötigt Zeit. Deshalb sollten auch Unternehmen, die heute noch nicht direkt betroffen sind, bereits jetzt mit den Vorbereitungen beginnen.

Darüber hinaus löst CBAM weltweit Kettenreaktionen aus. Länder mit hohen Exportvolumina in die EU – etwa Indien, Vietnam, Malaysia oder China – führen zunehmend eigene CO₂-Steuern und Emissionshandelssysteme ein oder verschärfen bestehende Regelungen, um Steueraufkommen im eigenen Land zu sichern. Dadurch werden auch Unternehmen betroffen sein, die gar nicht direkt in die EU exportieren.

CBAM wird häufig als regulatorische Frist dargestellt. Tatsächlich handelt es sich jedoch um einen strukturellen Wandel in der Art und Weise, wie globaler Handel CO₂ berücksichtigt.

Die Unternehmen, die Schwierigkeiten bekommen werden, sind jene, die CBAM lediglich als Reporting-Thema auf der letzten Meile betrachten.

Die Unternehmen, die erfolgreich sein werden, sind diejenigen, die ihre Daten an der Quelle verbessern, Lieferanten frühzeitig einbinden und CO₂-Kosten aktiv steuern.

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