LRQA freut sich, Dr. Siva Pariti willkommen zu heißen. Mit seiner Expertise stärken wir unsere Kompetenzen im Bekleidungssektor sowie im Management komplexer Risiken in Lieferketten.
Mit über 20 Jahren Erfahrung in der direkten Zusammenarbeit mit Webereien, Herstellern und globalen Marken in der Textil-, Schuh- und Lederindustrie verfügt Siva über tiefgehende Expertise in den Bereichen Chemikalienmanagement, Abwasser, Prozessoptimierung, Rückverfolgbarkeit und Kreislaufwirtschaft.
Er hat zudem an führenden Branchenstandards mitgewirkt, darunter der Fairtrade Textile Standard und die ZDHC CMS-Leitlinien, und mehr als 400 Audits in globalen Lieferketten durchgeführt.
Hier teilt Siva seine Perspektive darauf, wo die Branche heute steht und was sich ändern muss, um echte Wirkung im großen Maßstab zu erzielen.
Dr. Siva´s Perspektive
In den letzten zwei Jahrzehnten habe ich in Hunderten von Produktionsstätten weltweit gearbeitet. Eine Erkenntnis hat sich dabei konstant gezeigt: Die gleichen zentralen Probleme treten immer wieder auf – Energie, Chemikalien und Wasser – werden jedoch weiterhin getrennt voneinander behandelt.
In der Realität sind dies keine separaten Themen. Sie sind innerhalb derselben Prozesse, in denselben Fabriken und oft von denselben Teams miteinander verknüpft. Strukturell werden sie jedoch über unterschiedliche Programme, unterschiedliche Datensätze und als unterschiedliche Prioritäten behandelt – häufig mit unterschiedlichen Zeitplänen.
Die Branche hat in den letzten 15 Jahren echte Fortschritte gemacht. Das Chemikalienmanagement hat sich deutlich weiterentwickelt, Programme für Abwasserbehandlung sind etabliert, und der Klimaschutz ist zu einem zentralen Schwerpunkt geworden. Es bestehen solide Grundlagen.
In der Praxis bestehen jedoch weiterhin Lücken. Daten werden beispielsweise erfasst, geprüft und berichtet, aber nicht immer genutzt, um koordinierte Maßnahmen auf Standortebene auszulösen. Häufig werden dieselben Lieferanten bereits in unterschiedlichen Zeitplänen in CO₂-, Chemikalien- und Wasserprogrammen priorisiert. Die Chance besteht darin, diese Überschneidungen zu erkennen und stärker ganzheitlich und koordiniert zu handeln.
Dies gewinnt zusätzlich an Bedeutung, da sich das regulatorische Umfeld weiter langsam verändert. Ob die Branche bereit ist oder nicht: Compliance ist keine Option mehr – die Gesetzgebung wird in allen Märkten strenger, und Unternehmen entlang der gesamten Lieferkette müssen reagieren.
Wir beginnen nicht bei null. Die Herausforderung besteht nun darin, bestehende Ansätze zu verbinden und das zu skalieren, was bereits funktioniert.
Im Kern handelt es sich um eine Integrationsaufgabe. Technologie, einschließlich KI, kann dabei eine Rolle spielen – jedoch erst, wenn die grundlegenden Strukturen vorhanden sind.
CO₂, Chemikalien und Wasser sind operativ miteinander verbunden, werden jedoch weiterhin getrennt gemanagt. In der Praxis kann eine Verbesserung des Chemikalienmanagements den Wasser- und Energieverbrauch sowie Emissionen reduzieren, während ein besseres Energiemanagement wiederum den Wasserverbrauch senken kann.
Dies sind keine isolierten Themen. Sie sind Teil derselben Prozesse in denselben Produktionsstätten. Die richtige Reihenfolge von Maßnahmen – zuerst Prozessoptimierung, gefolgt von CO₂- und Abwassermaßnahmen – kann auf Standortebene echte Wirkung erzielen.
Die Herausforderung besteht darin, dass der Markt derzeit nicht darauf ausgerichtet ist, dies so umzusetzen. Technische Expertise ist häufig in unterschiedlichen Disziplinen getrennt, was integrierte Lösungen auf Standortebene erschwert.
Erforderlich ist daher ein stärker koordinierter Ansatz, der die Realität dieser Zusammenhänge widerspiegelt.
Digitale Tools, einschließlich KI, können dies unterstützen, indem sie fragmentierte Datensätze verbinden und Muster über große, komplexe Lieferketten hinweg sichtbar machen. Im Vordergrund sollte jedoch die praktische Anwendung stehen: bestehende Daten so zu nutzen, dass sie konkrete Maßnahmen dort auslösen, wo sie am wichtigsten sind.
In Bekleidungslieferketten werden dieselben Lieferanten häufig bereits parallel in CO₂-, Chemikalien- und Wasserprogrammen priorisiert. Die Chance besteht darin, diese Überschneidungen zu erkennen und integrierter zu handeln, anstatt jedes Thema isoliert zu betrachten.
Bei LRQA bündeln wir dies, indem wir tiefgehende Expertise im Chemikalien- und Wassermanagement mit spezialisierter Dekarbonisierungskompetenz verbinden, einschließlich RESET Carbon, Teil von LRQA.
Dies ermöglicht einen stärker integrierten Ansatz für Lieferkettenrisiken, der die reale Situation auf Standortebene widerspiegelt und sich insbesondere in wichtigen Beschaffungsregionen wie Asien in großem Maßstab umsetzen lässt.
Die Branche hat bereits eine solide Grundlage geschaffen. Die nächste Phase dreht sich um Umsetzung – darum, bestehende wirksame Ansätze zu verbinden und konsequent auf Standortebene anzuwenden.
Dort entsteht echte Wirkung.
