Im Juli 2025 veröffentlichte die International Organization for Standardization (ISO) eine überarbeitete Normenreihe unter der Bezeichnung ISO 22002-X:2025.
Diese Normen definieren Präventivprogramme (Prerequisite Programmes, PRPs), die die operative Grundlage eines Managementsystems für Lebensmittelsicherheit bilden.
Präventivprogramme umfassen die grundlegenden Bedingungen und Tätigkeiten, die erforderlich sind, um eine hygienische Lebensmittelproduktionsumgebung aufrechtzuerhalten. Dazu gehören unter anderem Kontrollen in den Bereichen Reinigung und Desinfektion, Schädlingsbekämpfung, Instandhaltung, Lieferantenmanagement, persönliche Hygiene sowie Standortsicherheit. Während sich die Gefahrenanalyse und die kritischen Kontrollpunkte (HACCP) auf spezifische Risiken der Lebensmittelsicherheit konzentrieren, stellen PRPs die grundlegenden Kontrollmaßnahmen dar, die das gesamte System unterstützen.
Was ist ISO 22002 und warum sie wichtig ist
Die Normen der ISO-22002-Reihe werden üblicherweise in Verbindung mit ISO 22000 angewendet, dem internationalen Standard für Managementsysteme der Lebensmittelsicherheit. ISO 22000 definiert den Rahmen des Managementsystems, während ISO 22002 detaillierte und sektorspezifische Leitlinien zur Gestaltung und Umsetzung von Präventivprogrammen bereitstellt.
Bisher wurden diese Anforderungen an Präventivprogramme als eine Reihe technischer Spezifikationen veröffentlicht, die jeweils separat für unterschiedliche Bereiche der Lebensmittelversorgungskette erstellt wurden. Dieser Ansatz führte zu Doppelungen, unterschiedlichen Interpretationen und erhöhter Komplexität für Organisationen, die in mehreren Sektoren tätig sind.
Was sich mit der Revision ISO 22002-X:2025 geändert hat
Die wichtigste Neuerung ist die Einführung von ISO 22002-100:2025, einer neuen grundlegenden Norm. Dieses Dokument fasst die Anforderungen an Präventivprogramme zusammen, die für alle Sektoren der Lebensmittel-, Futtermittel- und Verpackungslieferkette gemeinsam gelten. Zuvor waren diese gemeinsamen Anforderungen in mehreren sektorspezifischen Normen enthalten, häufig mit geringfügigen Abweichungen.
ISO 22002-100:2025 definiert nun eine einheitliche Basis, die unter anderem folgende Bereiche abdeckt:
- Hygiene- und Reinigungsmaßnahmen
- Persönliche Hygiene und Mitarbeitereinrichtungen
- Schädlingsbekämpfung
- Instandhaltung und Eignung von Anlagen und Ausrüstungen
- Abfallmanagement und -trennung
- Versorgungseinrichtungen, Lagerung und Handhabung
- Food Defense und Prävention von Lebensmittelbetrug
- Rückverfolgbarkeit und Lieferantenkontrolle
Ergänzend dazu hat die ISO die sektorspezifischen Normen überarbeitet, sodass diese sich nun ausschließlich auf die jeweils sektorspezifischen Anforderungen konzentrieren. Dazu gehören aktualisierte Normen für die Lebensmittelherstellung, Gemeinschaftsverpflegung, Herstellung von Lebensmittelverpackungen, Transport und Lagerung sowie die Futtermittel- und Tiernahrungsproduktion. Darüber hinaus wurde erstmals eine Norm für den Einzel- und Großhandel eingeführt.
Um die überarbeiteten Anforderungen vollständig zu erfüllen, müssen Organisationen sowohl ISO 22002-100:2025 als auch die jeweils relevante sektorspezifische Norm der ISO 22002-X:2025-Reihe anwenden.
Zusammenhang mit Zertifizierungssystemen für Lebensmittelsicherheit
Viele Organisationen lassen sich nicht direkt nach ISO 22002 zertifizieren. Stattdessen dienen diese Normen als normative Referenzen innerhalb von Zertifizierungssystemen.
Eines der weltweit am häufigsten genutzten Systeme ist das FSSC-22000-Zertifizierungssystem für Managementsysteme der Lebensmittelsicherheit, das von der Foundation FSSC 22000 betrieben wird. FSSC 22000 ist von der Global Food Safety Initiative (GFSI) anerkannt und wird weltweit von Einzelhändlern, Herstellern und Markeninhabern akzeptiert.
Das FSSC-22000-Schema verwendet ISO 22000 als zentrale Managementsystemnorm und stützt sich auf die ISO-22002-Normen zur Definition der Anforderungen an Präventivprogramme für unterschiedliche Sektoren.
Was ist FSSC 22000 Version 7
FSSC 22000 wird regelmäßig aktualisiert, um Änderungen in ISO-Normen, regulatorischen Anforderungen und bewährten Branchenpraktiken zu berücksichtigen. Jede Aktualisierung wird als neue Schema-Version veröffentlicht.
Derzeit ist FSSC 22000 Version 6 gültig. Die Foundation FSSC 22000 hat bestätigt, dass die Veröffentlichung der ISO-22002-X:2025-Normenreihe der zentrale Auslöser für die Entwicklung von FSSC 22000 Version 7 ist.
Mit der Veröffentlichung von FSSC 22000 Version 7 werden zertifizierte Organisationen verpflichtet sein, ihre Präventivprogramme im Rahmen der Schemaanforderungen an die neue ISO-22002-Struktur anzupassen. Dies umfasst die Anwendung von ISO 22002-100:2025 in Kombination mit der jeweils relevanten sektorspezifischen Norm.
Die Veröffentlichung von FSSC 22000 Version 7 wird derzeit für April 2027 erwartet. Nach aktuellen Informationen ist mit einer Übergangsfrist von 12 Monaten zu rechnen, innerhalb derer Organisationen ihre Umstellung auf das überarbeitete Schema abschließen müssen. Die entsprechenden Upgrade-Audits sollen innerhalb dieses Übergangszeitraums stattfinden.
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